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Mit Schlegel und Eisen

SG 1948 Schochwitz unternimmt Ausflug zum Erlebniszentrum Bergbau am Röhrigschacht

Schochwitz. Der traditionelle Herbstausflug der SG 1948 Schochwitz führte diesmal zum Erlebniszentrum Bergbau am Röhrigschacht bei Wettelrode im Landkreis Mansfeld-Südharz. Nach einem Rundgang auf dem Bergbau-Lehrpfad am Kunstteich entlang stand der Höhepunkt des Tages an: Die Gruppe mit 21 Frauen und Männern fuhr untertage, um dort hautnah zu sehen, wie früher das Kupfererz abgebaut wurde. Schon die Seilfahrt in den engen Stahlkörben bis in eine Tiefe von fast 300 Metern war für die meisten ein besonderes Erlebnis. Auch die anschließende Fahrt mit der Grubenbahn über eine Strecke von einem Kilometer Länge zu den früheren Abbaufeldern ließ bei manchen „Bergbau-Neuling“ das Herz ein wenig schneller schlagen. 

Die Teilnehmer des Ausflugs vor dem Förderturm am Röhrigschacht bei Wettelrode. Foto: Bahn

Untertage erhielten die Mitglieder des Schochwitzer Vereins einen Einblick in die Entwicklung des Kupferbergbaus von den Anfängen bis in die Zeit nach dem Mauerfall, als die letzten Schächte in Sangerhausen und Niederröblingen geschlossen wurden. Beeindruckend waren nicht nur die Leistungen, die die Bergleute in Laufe von fast 800 Jahrhunderten erbracht haben. Respekt nötigte den Museumsbesuchern vor allem die schwere Arbeit der Bergleute ab, die sie vor allem in der Zeit verrichten mussten, als der Abbau der Kupferflöze noch von Hand erledigt werden musste. Mit Schlegel und Eisen, die zum Symbol des Bergbaus wurden, brachen die Bergleute das nur etwa 20 Zentimeter hohe Flöz aus dem harten Gestein. Sie selbst lagen dabei auf dem Rücken oder auf dem Bauch, denn die Stollen waren meist nicht höher als 40 bis 80 Zentimeter. Für uns heute unvorstellbar, dass sogar die halbwüchsigen Kinder der Bergleute mithelfen mussten. Sie schleppten die schweren Hunten mit dem abgebrochenen Kupfererz durch die schmalen Gänge.

Knapp einen halben Meter hoch waren die Stollen, in denen die Bergleute früher das Kupfererz abgebaut haben. Foto: Gehlsen-Lorenzen

Der Legende nach sollen die Bergknappen Nappian und Neucke, die aus Goslar kamen, im Jahre 1199 in der Nähe von Hettstedt die ersten Kupfererzstücken entdeckt haben. Anfangs wurden nur kleinere Familienschächte „geteuft“. Später breitete sich der Bergbau weiter aus. Bereits am Ende des 16. Jahrhunderts wurden im Mansfelder Land in mehr als 120 Schächten von rund 1 500 Bergleuten jährlich etwa 1 000 Tonnen Kupfer produziert. Die Grafschaft Mansfeld zählte damals zu den aufstrebenden Regionen im Heiligen Reich deutschen Nation. Von Thüringen aus zog es zu jener Zeit auch eine Familie Luder nach Mansfeld. Deren Spross Martin Luther sollte später durch die von ihm eingeleitete Reformation die Welt aus den Angeln heben. Er blieb zeitlebens seiner Heimat verbunden, was auch das Luther-Museum in Mansfeld anschaulich belegt.

Der Vereinsvorsitzende Holger Schröter und seine Frau Yvonne warten auf die Abfahrt der Grubenbahn. Foto: Gehlsen-Lorenzen

Erst mit dem Einsatz von technischen Geräten und neuer Abbauverfahren verbesserten sich im Laufe der Zeit die Bedingungen für die Bergleute untertage. Im Mansfelder Land kamen zahlreiche technische Neuerungen und spezielle Methoden zum Einsatz. Zum ersten Mal weltweit wurde im Jahre 1584 bei Eisleben Koks im Verhüttungsprozess verwendet. Die erste in Deutschland nach Wattscher Bauart konstruierte Dampfmaschine nahm im Jahre 1785 im Burgörner Revier bei Hettstedt ihre Arbeit auf. Bereits 1863 stellte man aus der Schlacke der Erzhütten graue Pflastersteine her, die noch heute in zahlreichen Straßen der Region zu finden sind. Im Jahre 1892 begann man auf Grund massiver Wassereinbrüche in die Kupferschieferbergwerke mit dem Abpumpen des Salzigen Sees, der einst mehr als dreimal so groß wie der Süße See war. Der Bindersee und der Kernersee mit der Fischerhof sind Relikte des Salzigen Sees. Ein Pumpwerk an der B 80 bei Wansleben sorgt dafür, dass das ständige aufsteigende Wasser über den Mittelgraben abfließt. Das kostet das Land jedes Jahr je nach Regenmenge um die 450 000 Euro.

Beim Rundgang auf dem Bergbau-Lehrpfad konnte man im herbstlichen Wald auch zahlreiche Pilze entdecken. Foto: Bahn

Seine letzte große Blüte erlebte der Bergbau nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in der Zeit der DDR. Die Bergarbeiter förderten in dieser Epoche im Schnitt jährlich mehr als 15 000 Tonnen Kupfer und etwa 80 Tonnen Silber. Am 10. August 1990 wurde der unrentable Bergbau in dieser Region eingestellt. Tausende Berg- und Hüttenleute verloren über Nacht ihre Arbeit. Die weithin sichtbaren Kegelhalden, die aus tauben Gestein bestehen, künden noch heute von der Jahrhunderte alten Bergbautradition in Mansfeld-Südharz. Überlebt haben einige Betriebe des früheren Mansfeld-Kombinates wie die Mansfelder Kupfer- und Messing GmbH (MKM) in Hettstedt. Dort steht die weltgrößte Kaltwalzanlange für Kupferbleche. MKM hat auch das Kupferblech, auf dem alle Namen der Opfer des Terroranschlags vom 11. September 2001 für das Memorial in New York verweist sind, angefertigt. Geblieben sind auch verschiedene Unternehmen wie die Project Schul- und Objekteinrichtungen mbH Eisleben, die heute mitwachsende Klassenzimmer herstellt. Und in manchen Hobbykellern liegt sicher auch noch eine der einst begehrten Mansfelder Bohrmaschinen herum, die als DDR-Konsumgut entwickelt wurde. 1991 ist der Schacht bei Wettelrode als Schaubergwerk in Betrieb gegangen. Nach dem Besuch des Museumsschachtes haben auch die Tischtennisspieler der SG 1948 Schochwitz einen Eindruck von der schweren körperlichen Arbeit der Bergleute erhalten. 

Gut in Erinnerung bleibt allen Teilnehmern des Ausflugs auch die Bergwerksklause, die uns bestens mit Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen verköstigt hat. Ein Dank geht auch an das Transportunternehmen Peter aus Schochwitz, das uns wie immer sicher zu unserem Ausflugsziel gebracht und pünktlich wieder abgeholt hat.

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